30 BiFis in 30 Minuten: Lebensmittelrettung an der Viadrina

Julia entdeckt einen Bestand mit nahem MHD. Alice fragt nach. Gemeinsam entsteht eine Idee – und Professor Stadtmann macht mit. In 30 Minuten geben wir 30 Würstchen weiter. Was als Gespräch beginnt, wird zum Ausgangspunkt für eine KI-gestützte Lösung.

Drei Beteiligte halten BiFis vor den Automaten von Ramen Point Viadrina in die Kamera.
Gemeinsam auf dem Viadrina-Campus: Food Be Good, Ramen Point Viadrina und Professor Georg Stadtmann.

Alles beginnt mit einem Blick auf den Bestand

Wir sitzen zusammen, als Julia etwas auffällt: Ein Teil ihres Automatenbestands nähert sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Produkte sind da, aber die Zeit für ihren Verkauf wird kürzer. Julia betreibt Ramen Point Viadrina; Alice bringt die Perspektive von Food Be Good mit.

Alice fragt nach: Welche Produkte betrifft das noch? Julia fallen weitere Artikel mit kurzem MHD ein. Aus einem einzelnen Bestand wird eine größere Frage: Wie erkennen wir solche Situationen früher – und wie bringen wir die Lebensmittel rechtzeitig zu Menschen?

Wir überlegen gemeinsam, eine Lösung dafür zu finden. Bei den BiFis gibt es einen persönlichen Anknüpfungspunkt: Professor Georg Stadtmann hatte sich die Snacks für den Campusautomaten gewünscht. Julia nimmt Kontakt zu ihm auf.

Der Professor zückt die Kreditkarte

Stadtmann übernimmt die Rechnung für BiFis, die kostenlos an Interessierte ausgegeben werden können. Der Makroökonom, der sich das Produkt gewünscht hat, trägt damit selbst zu einer Lösung für den liegen gebliebenen Bestand bei.

Stadtmann bezahlt direkt am Automaten. Aus seinem Sortimentswunsch wird eine persönliche Geste: Die vorhandenen Snacks sollen Menschen erreichen und gegessen werden.

Georg Stadtmann hält seine Karte an das Bezahlterminal des Ramen-Point-Automaten.
Der Wunsch wird persönlich: Stadtmann übernimmt die Bezahlung am Automaten.

Für Julia wird Ware bezahlt. Für Studierende und andere Interessierte entfällt bei diesen Snacks der Kaufpreis. Food Be Good bringt dabei mehr als Aufmerksamkeit mit: Gemeinsam mit Ramen Point Viadrina machen wir die vorhandenen Lebensmittel greifbar und ihre Bedeutung verständlich. Wir verbinden die Weitergabe mit der Frage, was in einem Snack steckt, bevor er im Automaten landet – und was verloren geht, wenn ihn niemand isst.

Nach 30 Minuten sind 30 Würstchen weitergegeben

Eine halbe Stunde, 30 weitergegebene Würstchen: Das ist das Ergebnis unserer Rettungsaktion. Der Ausgangsbestand umfasst 55 BiFis. Die übrigen 25 bleiben im regulären Verkauf für die kommenden Tage.

Für uns zählt dabei beides: dass die Lebensmittel Menschen erreichen und dass der Moment zum Nachdenken anregt. Eine kleine Wurst wird zum Gespräch über Ressourcen, Konsum und den Wert von Essen.

20 Gramm Snack. Rund 170 Gramm CO₂e.

Wie viel Klimawirkung kann schon in einer kleinen Wurst stecken? Genau dieser Gedanke sorgte bei der Aktion für überraschte Reaktionen. Eine Orientierung von rund 170 Gramm CO₂-Äquivalenten für eine 20-Gramm-Portion macht aus einer unscheinbaren Verpackung plötzlich eine andere Größenordnung.

Food Be Good macht diesen unsichtbaren Aufwand verständlich. Hinter dem Snack stehen unter anderem Landwirtschaft, Verarbeitung, Verpackung und Transport. Wird das Lebensmittel weggeworfen, wurde dieser Aufwand für etwas betrieben, das niemand isst. Die bereits entstandenen Emissionen verschwinden durch eine Weitergabe nicht. Doch das Lebensmittel erfüllt noch seinen Zweck, statt ungenutzt entsorgt zu werden.

Der über Open Food Facts zugeordnete AGRIBALYSE-Faktor ergibt für eine 20-Gramm-Vergleichsportion 164,8 Gramm CO₂e. Rund 170 Gramm waren bei der Aktion die anschauliche Größenordnung. Im interaktiven Modell lässt sich der Fußabdruck für unterschiedliche Stückzahlen erkunden.

Aus einem kleinen Snack wird ein Gespräch

Zwischen Automaten und Campusalltag entstehen Gespräche über Essen, Konsum und Verantwortung. Die BiFis werden zum Anlass, über etwas nachzudenken, das im schnellen Griff zum Snack leicht untergeht: seinen Ressourcenverbrauch.

Die Aktion verbindet Lebensmittelrettung mit einem konkreten Lerneffekt. Lebensmittelverschwendung beginnt schon vor der Mülltonne: bei Einkaufsentscheidungen, Bestellmengen und der Frage, was tatsächlich nachgefragt wird.

Menschen kommen vor den Automaten von Ramen Point Viadrina miteinander ins Gespräch.
Direkt auf dem Campus: Das vorhandene Angebot wird zum Gesprächsthema.

Gewünscht heißt noch nicht regelmäßig gekauft

Ramen Point Viadrina ist ein studentisches Gründungsprojekt von Julia Stepanova. Schon vor dem Start konnten Interessierte mitentscheiden, was es geben sollte. Die Viadrina berichtete über das Automatenangebot und die Sortimentsbefragung.

Wünsche abzufragen ist sinnvoll. Sie zeigen, worauf Menschen Lust haben. Wie oft sie ein Produkt zum angebotenen Preis tatsächlich kaufen, zeigt sich jedoch erst im Alltag. Der BiFi-Bestand macht diese Lücke zwischen Interesse und Absatz sichtbar.

Für Kantinen und Mensen ist die Frage vertraut: Ein Gericht wird gewünscht. Die Küche plant es ein. Am Ende bleibt etwas übrig. Daraus folgt nicht automatisch, dass das Gericht falsch war. Vielleicht passen Menge, Preis, Ausgabetag oder Angebotsrhythmus noch nicht.

Ein sinnvoller nächster Schritt kann ein kleinerer Test sein: eine begrenzte Bestellung oder einzelne Ausgabetage, an denen Absatz und Rückmeldungen beobachtet werden. Die Versorgung bis zum Ende der regulären Ausgabe bleibt dabei ein eigenes Ziel.

Ein Datum auf der Packung ist noch kein Abfalleimer

Das Mindesthaltbarkeitsdatum macht den Zeitfaktor greifbar. Wer Bestände frühzeitig prüft, schafft Raum für eine geplante Weitergabe – bevor aus liegen gebliebenen Produkten ein Entsorgungsproblem wird.

BiFi auf einem Karton mit dem aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum 04.11.26.
Rechtzeitig handeln: Der Karton trägt das Mindesthaltbarkeitsdatum 04.11.26.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum beschreibt die erwarteten Eigenschaften eines ungeöffneten, richtig gelagerten Lebensmittels. Es ist kein automatisches Wegwerfdatum. Anders ist es beim Verbrauchsdatum: Nach dessen Ablauf sollten entsprechend gekennzeichnete Lebensmittel nicht mehr gegessen werden. Den Unterschied erläutert das Bundeszentrum für Ernährung.

Die BiFi-Aktion setzt bei verpackter Automatenware an. Für jede Lebensmittelgruppe gehören eine passende Freigabe, richtige Lagerung und eine klar organisierte Übergabe zum Rettungsprozess. Das gilt für Snacks ebenso wie für zubereitete Kantinenspeisen.

FOOD BE GOOD · INTERAKTIVES MODELL

Was steckt im Snack?

Ein kleiner Snack hat bereits einen Lebensmittel-Fußabdruck. Entdecken Sie, wie sich der modellierte Fußabdruck mit der Stückzahl verändert – bei festem Rechengewicht und festem Quellenfaktor.

CO₂-Fußabdruck · Sortenvergleich

Aktion: 30 von 55 Würstchen in 30 Minuten weitergegeben. Der Rechner vergleicht eine frei gewählte Stückzahl einer Sorte bei 20 g Rechengewicht je Wurst.

Weitergegeben30Würstchen in 30 Minuten
Stückzahl im Rechner30interaktiv wählbar
Modellierter Fußabdruck4,94 kg CO₂erechnerisch 4.944 g CO₂e · Schätzung
Mit Maus, Tastatur oder Tippen einzelne Stücke erkunden.

Im SzenarioÜbriger Bestand im Modell

30 × 20 g ÷ 1.000 × 8,24 = 4,94 kg CO₂e

Quelle und Rechenweg

Classic: 20 g × 8,24 kg CO₂e/kg = 164,8 g CO₂e je Vergleichsportion. Der feste Faktor stammt aus dem AGRIBALYSE-3.2-Kategoriemodell „Salami“ (Code 30350), das Open Food Facts BiFi The Original zuordnet. Die einheitliche Rechenportion beträgt 20 g; der Produkteintrag führt eine Packungsgröße von 22,5 g. Abruf: 29.10.2026.

Für BiFi Turkey ist im Produkteintrag kein AGRIBALYSE-Faktor hinterlegt. Die Sortenauswahl weist das aus. Der Rechner zeigt einen Sortenvergleich; die Verteilung der 30 weitergegebenen Würstchen auf Classic und Turkey wird damit nicht abgebildet.

Das Ergebnis ist ein geschätzter Lebensmittel-Fußabdruck auf Kategorienbasis. Es beschreibt die mit der Vergleichsmenge verbundenen Emissionen, keine gemessene Emissionsvermeidung durch die Aktion.

Die Brücke zur Kantine steht direkt im Automaten

Viele Kantinen betreiben neben ihrer Gemeinschaftsverpflegung auch Automaten im Verpflegungsbereich. Dort begegnen ihnen verpackte Snacks, Getränke und Mindesthaltbarkeitsdaten ebenso wie dem Ramen Point. Lebensmittelrettung muss deshalb nicht erst bei der warmen Mittagsausgabe ansetzen.

Verpackte Ware bietet einen greifbaren Einstieg: Stückzahlen und Datumsangaben sind häufig direkt ablesbar, und die Produkte lassen sich einzeln weitergeben. Die Prüfung von Zustand, Lagerung und Eignung bleibt wichtig. Wer Bestände früh im Blick hat, kann eine Aktion vorbereiten, bevor Zeitdruck entsteht.

Die Rettungsaktion beantwortet ein akutes Bestandsproblem. Für die nächste Bestellung beginnt das Lernen danach. Vier Fragen helfen, beides zusammenzudenken:

  1. Was bleibt übrig? Bestand, tatsächlich ausgegebene Menge und Restbestand getrennt erfassen.
  2. Wer übernimmt was? Bezahlung, Freigabe, Kommunikation und Ausgabe vorab vereinbaren.
  3. Welcher Aufwand entsteht? Zusätzliche Handgriffe, Material und Arbeitsminuten festhalten.
  4. Was verändert sich beim nächsten Mal? Regulären Absatz und Rückmeldungen für Bestellung und Angebotsrhythmus nutzen.

Eine kostenlose Ausgabe zeigt, ob ein kostenloses Angebot angenommen wird. Sie zeigt nicht automatisch, wie hoch die Nachfrage zum regulären Preis ist. Auch eine bezahlte Abnahme vorhandener Ware und eine spätere Verringerung des Wareneinsatzes sind wirtschaftlich zwei verschiedene Effekte.

Wer diese Unterschiede festhält, gewinnt mehr als eine gute Geschichte. Aus einer Aktion kann eine bessere Entscheidung für den nächsten Einkauf werden. Unser Beitrag zum Messen von Speiseabfällen zeigt, wie Küchen Mengen und Ursachen systematisch erfassen können.

Unser nächster Schritt: KI für bessere Bestandsplanung

Unser Gespräch über die nahenden Mindesthaltbarkeitsdaten und die anschließende Aktion zeigen, welche Informationen zusammengehören: Sortiment, Bestände, tatsächlicher Absatz und die verbleibende Zeit bis zum MHD. Diese Erkenntnisse fließen in den gemeinsamen nächsten Schritt ein.

Auf diesen Erkenntnissen bauen wir auf: Gemeinsam mit Julia Stepanova, der Betreiberin von Ramen Point Viadrina, planen wir die Entwicklung einer KI-gestützten Lösung. Ziel ist es, Nachfrage und Bestände besser einzuschätzen, drohende Überschüsse früher zu erkennen und passende Maßnahmen rechtzeitig anzustoßen. Die Erfahrungen aus dem Automatenbetrieb bilden dafür den Ausgangspunkt.

Food Be Good verbindet diese Entwicklung mit Lebensmittelrettung und verständlicher Kommunikation. Wir machen den Ressourcenverbrauch greifbar, bringen Menschen ins Gespräch und machen das Engagement des Betriebs nach außen sichtbar.

Welche Lebensmittel bleiben in Ihrer Kantine regelmäßig übrig? Und was müsste passieren, damit sie rechtzeitig Menschen erreichen?

Häufige Fragen zur BiFi-Aktion

Wer war an der Rettungsaktion beteiligt?

Professor Georg Stadtmann, Julia Stepanova von Ramen Point Viadrina und Alice von Food Be Good wirkten an der Aktion auf dem Viadrina-Campus mit.

Was können Kantinen daraus lernen?

Sortimentswünsche, regulärer Absatz und Nachfrage nach einem kostenlosen Angebot liefern unterschiedliche Informationen. Diese sollten getrennt erfasst und für die nächste Mengenplanung genutzt werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Redaktion: Food Be Good · Fotos: Food Be Good · Redaktioneller Stand: 29. Oktober 2026.